Das Pflanzkonzept

oder die Idee dahinter

Zunächst einmal sollte es ja ein Rosengarten werden und zwar ein Rosengarten mit Rosen vergangener Zeiten, sogenannten „Alten Rosen“, wie man ihn hier in der Region in dieser Konsequenz eher selten findet.

Die Fülle der Blüten und der Duft ist das, was uns am meisten an den Alten Rosen begeistert.
Was aber sind Alte Rosen?
Alte Rosen sind nicht, wie oft fälschlich angenommen Rosen, die vielleicht schon seit 50 Jahren oder länger in Omas Garten wachsen. Sondern Rosen , die bereits vor 1867 existierten.
Die größte Anzahl dieser Rosen ist im 19. Jahrhundert, also zwischen 1800 und 1867 entstanden. Viele sind bereits wieder verloren gegangen. Die Sorten, die es heute noch gibt zu überblicken und zu ordnen bzw. genauere Verwandtschaftsbeziehungen festzustellen ist überaus schwierig. Generell bewegen sich die Informationen über die Herkunft und Entwicklung der Rosen weitgehend im spekulativen Bereich.

Es wird angenommen, dass es Rosen bereits seit Millionen von Jahren gibt. Es gibt Versteinerungen, die darauf hinweisen.
Weitere Zeugnisse stammen aus der Kunst (Dichtung, Malerei etc.) in der Antike und dem frühen Mittelalter.
Später mit der Entwicklung des Buchdruckes gab es die ersten Kräuterbücher (15. u. 16. Jahrhundert), in denen Rosen erwähnt werden.

Relativ sicher ist, dass am Anfang der Entwicklung der Vielzahl (etwa 30.000) der heutigen Gartenrosen eine Handvoll von Rosen steht. Man vermutet, dass die Rosen aus dem mittleren Osten sich bereits in der Antike und dann erneut im Mittelalter mit den europäischen Rosen vermählten.

Beim Entstehen der Alten Rosen steuerte jeder Erdteil (Europa, Mittlerer Osten und Asien) bestimmte Charakteristika bei.
Den europäischen Stammeltern verdanken sie ihre Widerstandsfähigkeit, alle einmal blühend. Vom Mittleren Osten kommt der Ansatz für die mehrfache Blüte und die Farbe gelb. Aus Asien kommt das vollständige Remontieren.

Am Anfang gab es vor allem Wildrosen mit einfachen Blüten, aus denen sich dann durch spontane Mutation erste gefüllte alte Gartensorten entwickelt haben.
Weitere Sorten entstanden durch zufällige Kreuzungen dieser Rosen untereinander.

In diesem Projekt haben wir versucht, genau diese Gruppe der Urahnen aller Rosen zusammenzutragen. Der zeitliche Rahmen erstreckt sich von der Antike bis 1800.
Die Sammlung ist noch nicht komplett.

Zu den ältesten der Alten Rosen gehören die Gallica-Rosen, die alle mehr oder weniger direkt von der europäischen Wildrose Rosa gallica L. abstammen und die Alba-Rosen. Es gab zunächst nur die rote Rose und die weiße Rose und dann deren gefüllte Abkömmlinge. Sie finden sie hier in den Beeten.
Es gab nur eine Sorte, die im Herbst eine 2. Blüte hat, die Herbstdamaszenerrose.
Fast alle hier versammelten Rosen entstanden, noch bevor die ersten gezielten Züchtungen vorgenommen wurden.
Sie finden aber auch die erste deutsche Zuchtrose, die Perle von Weißenstein.

1789 wurde die erste Chinarose eingeführt, die auch hier zu sehen ist, in den späteren Züchtungen eine wichtige Rolle spielte und die Fähigkeit mit brachte, mehrfach zu blühen.

Wenn man sich fragt, warum sollte man überhaupt noch diese alten Sorten anpflanzen, dann lautet die Antwort, dass diese Rosen abgesehen davon, dass sie ein wertvoller Teil des Kulturerbes sind, gerade für unsere Region hier in Oberbayern eine Menge Vorteile bieten:
Sie sind überaus gesund, robust und winterhart,
machen einen schönen Strauch,
blühen üppig
und die meisten duften wunderbar.
Davon können Sie sich hier selbst einen Eindruck verschaffen.´

Ein Merkmal der alten Rosen ist die auf den Sommer begrenzte Blütezeit. Wir versuchen, durch die Begleitpflanzen den Garten das ganze Jahr hindurch interessant und attraktiv zu gestalten und gleichzeitig dem historischen Anspruch von Rose und Ort gerecht zu werden.

Wir wollen mit den Begleitpflanzen das Thema Burggarten aufgreifen und haben deshalb auch hier Pflanzen gewählt, die nach historischen Quellen in den Gärten vergangener Zeiten kultiviert wurden.

Der Garten im Mittelalter war zunächst ein Nutzgarten, lieferte Nahrung, Heilmittel und Blumen für rituelle Zwecke. Darüber hinaus war er ein Ort der Meditation, des Friedens, der Schönheit und Symbolik.
Erst im Verlauf der Zeit entwickelte sich der Ziergarten.
Wir wollen diese Entwicklung mit den Begleitpflanzen in den vier Themenbeeten andeuten.

Beet 1
Dieses Beet ist der Zeit um Karl den Großen gewidmet und der Landgüterverordnung, dem Capitulare de villis. Diese Verordnung wurde ungefähr um 800 n. Chr. zur Verwaltung der Krongüter erlassen und enthielt eine detaillierte Aufstellung von Pflanzen, die in den Gärten zur optimalen Versorgung angepflanzt werden sollten.
Ganz vorne werden Rose und Lilie genannt.

Beet 2
Dieses Beet umfasst zusätzlich Pflanzen, die etwa zur Zeit der Hildegard von Bingen etwa ab 1100 in den Kloster- und Burggärten kultiviert wurden. Auch hier handelt es sich noch immer hauptsächlich um Heil- und Nutzpflanzen.
In diesem Beet finden sie auch die wichtigsten Marienpflanzen, die auf vielen mittelalterlichen Gemälden als Bestandteil des Mariengartens zu erkennen sind.

In den folgenden Jahrhunderten entstand ein stärkeres Naturinteresse. Es gab immer mehr botanische Beschreibungen. Sogenannte Pflanzenjäger brachten neue Pflanzenarten. Der Garten verlor den reinen Nutzcharakter und entwickelte sich zum Ziergarten. Es entstanden botanische Gärten (1525 Erfurt, 1530 Marburg) und reiche Bürger leisteten sich einen Garten.
Ein sehr gut dokumentierter Garten ist der Garten von Eichstätt, siehe Beet 3.

Beet 3
Für dieses Beet haben wir Pflanzen ausgewählt, die in dem Garten des Fürstbischofs von Gemmingen in Eichstätt angepflanzt waren und von dem Apotheker Basilius Besler 1613 in einem dicken Buch veröffentlicht wurden.
Hier tauchen schon viele exotische Pflanzen auf.
Sie finden hier Pflanzen, die im 17. Jahrhundert dazukamen und in den Gärten kultiviert wurden.

Beet 4
Für das vierte Beet haben wir uns die Aufgabe gestellt, alte Gartenpflanzen zu finden, die im 18. Jahrhundert dazu gekommen sind, damit Rosen und Begleitpflanzen den gleichen Zeitrahmen abdecken.

So weit die Idee für diesen Garten, die im Laufe der Zeit realisiert werden soll.
Damit die Beete schnell schön aussehen, gut zu pflegen und auch für die Tierwelt interessant sind, haben wir in alle Beeten Wildpflanzen gepflanzt, die mit ihrer Fülle und Farbe die Beete zu allen Jahreszeiten bereichern.

Im Außenbereich sind Rosen gepflanzt worden, die sich zeitlich ab 1800 anschließen.


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